BalkonSantorini. Meer. Schreiben am Balkon. Draußen ist es zu heiß. Gedanken an früher. Und dann fällt sie mir wieder ein, die Schriftstellerin, deren „Sandmeere“ ich verschlungen habe, damals, knapp 20jährig, in Frankreich am Meer.

Isabel Eberhardt. Wer erinnert sich an sie?

„Im heißen Schatten des Islam“ hieß ein Bändchen, verzaubert haben mich ihre Schriften, weil ich eintauchen konnte in eine Welt, die ich damals, wie gesagt knapp 20jährig, zu suchen meinte.

Ich hatte mir einen Satz herausgestrichen, in dem Band „Tagwerke“, dort steht: „Das Leben in der Vergangenheit, in dem, was gut und schön gewesen ist, ist gewissermaßen die Würze der Gegenwart. Aber das dauernde Warten auf später, auf den nächsten Tag führt unvermeidlich zu einer permanenten Unzufriedenheit, die das Leben vergiftet.“ Dies hat sie am 16. Juli 1900 in Marseille niedergeschrieben.

Heute frage ich mich, welche Vergangenheit ich denn mit grad 20 gemeint haben könnte 😉 aber ich weiß noch genau, wie ich mich damals fühlte. Die jugendliche Unruhe hatte mich fest im Griff und ich suchte. Ich suchte meinen Platz in dieser Welt und es trieb mich um. Und Isabel Eberhardt war ähnlich jung, als sie diese Zeilen schrieb. Ich fühlte mich verstanden.

Ich habe sie bewundert für ihren Mut, einfach in den Maghreb zu gehen und dort zu leben, als Mann verkleidet, weil es als Frau nicht so einfach war, zumal vor über 100 Jahren!! Ich habe sie grenzenlos bewundert, weil ich dachte, dieses Mädchen weiß, was sie will, sie macht es einfach und weil mir oft genug für solche Abenteuer die Traute fehlte.

Heute weiß ich, dass diese junge Frau depressiv war und ziemlich elendig im Elend starb, mit gerade mal 27 Jahren. Eine trauriges Ende hat all dieser Mut gefunden und vielleicht war es ja kein Mut sondern die Verzweiflung, die sie antrieb. Vielleicht habe ich sie auch deswegen so gerne gelesen, weil ich auch diese düstere Stimmung kannte.

Ich habe mir nun eine Biografie über sie gekauft, „Wie treibender Sand. Das berauschende Leben der Isabelle Eberhard.“ von Annette Kobak. Ich bin ja mal gespannt. Und ich werde berichten.

Ein Gedanke zu “

  1. Das klingt sehr interessant. Ich hatte in dem Alter keine solchen Gedanken – leider. Ich habe funktioniert und überhaupt nicht über solche Dinge nachgedacht. Naja, umso gründlicher mußte ich das irgendwann nachholen. Ich bin sehr gespannt was Du von der Biographie berichtest.

    lg sue

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